Richtlinien

Die PSY -Diplom-Lehrgänge basieren auf dem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis, bei welchem biologische, psychologische und sozio-ökologische Einflussgrößen in einem immerwährenden und komplexen Zusammenspiel stehen. Jedes Krankheitsphänomen ist daher immer mit seinen entsprechenden (biochemischen, psychosozialen und öko-kulturellen) Umgebungsbedingungen zu sehen.

 

Die PSY-Diplome der Österreichischen Ärztekammer wurden 1989 als berufsbegleitende Fortbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeit für Ärzte und Ärztinnen aller Fachrichtungen erarbeitet und seit 1991 umgesetzt. Im Bestreben Ärzten sowohl psychosoziales sowie psychosomatisches und psychotherapeutisches Denken und Handeln zu vermitteln, wurde eine Aufteilung auf 3 aufeinander aufbauende Diplome vorgenommen. Je nach angestrebter Kompetenz wird nur das PSY I-Diplom absolviert, oder mit PSY II fortgesetzt, oder mit PSY III abgeschlossen.

 

PSY I

    Psychosoziale Medizin

1  

Semester

PSY II

    Psychosomatische Medizin

4  

Semester

PSY III

    Psychotherapeutische Medizin    

6  

Semester

 

 

Theoretische Grundlagen der PSY-Diplom-Lehrgänge

 

In bewusster Erweiterung des derzeit vorherrschenden biomedizinischen Modells („der Mensch als komplexe Maschine“) beziehen sich die PSY-Diplom-Lehrgänge auf das epochale, systemtheoretisch begründete bio-psycho-soziale Krankheitsmodell. Gesundheit und Krankheit werden demnach als ein komplexes, vielfach verwobenes Gefüge verstanden, in dem biologische, psychologische und soziale Elemente als prinzipiell gleichwertige Bedingungen der menschlichen Existenz zu begreifen sind (Deutscher Wissenschaftsrat für die Reform des Medizinstudiums 1992).

 

Neben biologischen sind somit auch immer prinzipiell psychische und soziale Faktoren für die Entstehung, Ausformung und Aufrechterhaltung einer Krankheit relevant. Psycho-soziale Einflussgrößen nehmen Einfluss auf den Zeitpunkt des Auftretens einer Krankheit, sie beeinflussen die Reaktion des Menschen auf körperliche Veränderungen, und bestimmen auch den Zeitpunkt, in dem der Kranke den Arzt aufsucht. Sie färben das Verhalten während des Krankseins und können auch das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Genesung modifizieren (vgl. z.B. Adler & Hemmeler 1992).

 

Definition von Gesundheit und Krankheit im bio-psycho-sozialen Modell

 

Gesundheit wird im systemtheoretisch begründeten bio-psycho-sozialen Modell als ausreichende Kompetenz des Systems Mensch konzipiert, mit beliebigen Störungen auf beliebigen Systemebenen autoregulativ fertig zu werden (Bewältigungskompetenz). Nicht das Fehlen von pathogenen Keimen (Viren, Bakterien etc.) oder potenziell krankheitsfördernden Auffälligkeiten auf der psycho-sozialen Ebene bedeutet demnach Gesundheit, sondern die Fähigkeit, diese pathogenen Faktoren ausreichend wirksam zu bewältigen.

 

Krankheit stellt sich dann ein, wenn der Organismus diese autoregulative Kompetenz zur Bewältigung von auftretenden Störungen auf beliebigen Ebenen nicht ausreichend zur Verfügung stellen kann und relevante Regelkreise für die Funktionstüchtigkeit überfordert sind bzw. ausfallen. Wegen der interdependenten Verschaltung der Systemebenen ist es nicht so bedeutsam, auf welche Ebene eine Störung generiert wird, sondern welchen Schaden diese auf den unter- oder übergeordneten Systemen zu bewirken imstande ist.

 

Krankheit und Gesundheit erscheinen im Lichte dieser Theorie nicht als ein Zustand, sondern als ein dynamisches Geschehen. So gesehen muss Gesundheit in jeder Sekunde des Lebens „geschaffen“ werden.

 

Jedes Curriculum besteht aus den 3 Teilbereichen: „Theorie“, „Praxis-Supervision“ und „Selbsterfahrung“.

 

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